Sextourismus
Afrika - Kenia - Diani Beach
FAZ.NET (18. Juni 2007)
Sextourismus
Schwarzer Mann, weiße Frau
Von Anna Windhorst
Der inhaltslose Bestseller mit dem Titel „Runzel-Ich“ scheint ein internationaler Erfolg zu sein. Jedenfalls liegt er dutzendfach auch auf den Strandliegen von Kombo-St. Mary, dem berüchtigten „Afrika-Grill“ in Gambia. Und das Credo des Buches - alt werden und dennoch Spaß haben - wird hier wörtlich genommen… Scharen von jungen, gutgebauten Männern dienen sich hier erheblich älteren, alleinreisenden weißen Frauen an. Grauschopf neben Rastafari-Mähne ist ein gängiger Anblick in den Bars, Restaurants und an den Stränden des Grills, über den sich schon lange niemand mehr wundert.
„Bumster“, Schnorrer, werden die muskulösen Jungs genannt, und sie tauchen überall dort auf, wo es Touristen gibt. Meist sind sie eine Plage, da sie sich ungefragt und mit großer Penetranz als Reiseführer, Besorger von Einkäufen oder Unterhändler an Souvenirständen anbiedern. In vielen Fällen jedoch sind ihre Dienste sehr wohl erwünscht und die Begegnungen mit ihnen der einzige Zweck einer Reise an die Küste Gambias - Prostitution also, doch fällt dieses Wort nicht. Das mag zum einen daran liegen, dass die jungen Männer keine direkte Entlohnung für Sex erhalten. Die Frauen zahlen in der Regel nur das Hotel und die gemeinsamen Essen, kaufen Kleidung, Sonnenbrillen und andere Dinge, die auf der Wunschliste der Herren stehen. Sie finanzieren ein Leben, zu dem die jungen Casanovas auf anderem Wege keinen Zugang haben. Zum anderen widerstrebt offenbar allen Beteiligten die Vorstellung von Männern als reinen Sexobjekten und Frauen als sexuellen Ausbeuterinnen, als skrupellosen Nutznießerin von Armut und Hoffnung. (Artikel lesen)







